Interview mit Sandra Keck/ Plattdüütsche Vagelhochtiet

Interview mit Sandra Keck/ Plattdüütsche Vagelhochtiet

Wie sind Sie zur Vogelhochzeit gekommen?
1981 lernten mein Bruder und ich Rolf kennen und sangen zusammen '…und ganz doll mich', kurz darauf habe ich in einer Schulaufführung die Geschichte zum ersten Mal erleben dürfen. Die kleinen Kinder in ihren bunten Kostümen waren so niedlich, von da ab war ich auch in den Bann der Geschichte gezogen. Und vor allem das kernige 'Hallo Mama, hallo Papa' hat es mir angetan.

Haben Sie selbst mit Rolf die Vogelhochzeit gesungen?
Nein, dafür war ich damals schon zu alt, den Part des Vogelbabys hat damals Katrin Albershardt von der Finkwarder Speeldeel übernommen. Was übrigens sehr nett ist und den thematischen Kreis schließt: Ihre Tochter war bei meiner Ohnsorg-Version der Geschichte als Mitglied der Lütt Speeldeel das frisch geschlüpfte Vogelbaby.

Wie sind Sie zu dem plattdeutschen Genre gekommen und der Motivation, die Vogelhochzeit in eine andere Sprache zu transferieren?
Von Haus aus bin ich nicht mit der Plattdüütschen Sprache aufgewachsen, erst als ich 1989 am Ohnsorg-Theater anfing, habe ich mich damit auseinandergesetzt. Nun bin ich fast zweisprachig, ich denke und fühle in Platt und liebe diese Sprache sehr. Mittlerweile erlebt die Sprache eine ungeahnte Renaissance, wird an Schulen wieder gelehrt und aktiver gesprochen. Lustig ist, dass diese Mundart für Norddeutsche noch immer etwas Besonderes ist, während es in Bayern ganz selbstverständlich ist, dass alle ihren bayrischen Dialekt sprechen.

Wie reagieren die Kinder auf die ungewohnte Sprache?
Hervorragend. Sie verstehen auch sehr schnell worum es geht und wenn wir von der Bühne aus auf Platt fragen, was denn da geklopft hat, antworten alle auf hochdeutsch 'das Ei'. Begeistert sind die Kinder vor allem, wenn Sie feststellen, dass auch auf der Bühne Kinder agieren. Für das Ohnsorg-Theater war es auch neu mit so jungen Schauspielern zusammen zu arbeiten, doch die Mitglieder der Finkwarder Lütt Speeldeel, die wir für die Rollen rekrutiert haben, machen ihre Sache mittlerweile super professionell.

Die Vorstellungen der Vogelhochzeit sind alle in Windeseile ausverkauft. Wie erklären Sie sich den Erfolg der Produktion?
Vor allem Großeltern gehen mit ihren Enkeln gerne in unsere Vagelhochtiet. Die Bühnenfassung ist etwas üppiger als von Rolf bekannt und damit abendfüllend. Neben dem bekannten Vogelpärchen, das bei mir ein Amselpärchen ist, dass nur ein Ei legt, habe ich noch eine im Eierlegen routinierte Entenfamilie dazu erdacht. So kommen ein paar zusätzliche komische Elemente in die Geschichte: Die Entenfamilie kauft alles im Familienpack, die Amselfamilie, die für ihre erstes Kind zu sorgen hat, drapiert alles noch mit einem Schleifchen.

Haben Ihre eigenen Erfahrungen als Mutter Sie bei der Produktion des Stückes inspiriert?
Das Amselpärchen ist am Anfang noch sehr unsicher mit seinem Nachwuchs und dankbar für die Tipps der Enteneltern. Ähnlich ging es meinem Mann und mir nach der Geburt unseres Sohnes vor fast vier Jahren. Vor der Geburt dachten wir, wir könnten alles ganz locker auf zu kommen lassen, doch als das von Dreimonatskoliken geplagte Baby bei uns zu Hause war, wussten wir uns manchmal auch keinen Rat.

Bleibt noch die Frage, wo ihr eigener 'Keckspatz' ist, wenn Sie auf der Bühne stehen?
Vormittags ist unser Sohn im Kindergarten, außerdem haben wir ein gutes Babysitternetz. Mein Mann nimmt sich abends Zeit, wenn ich auf der Bühne stehe. Alles eine Frage der guten Organisation! Und dann gibt es natürlich noch die Großeltern, zu denen ich meinen Sohn immer gerne gehen lasse. Meinen Bruder und mich haben meine Eltern so toll erzogen, da kann es meinem Sohn bei Ihnen nur noch besser gehen.