Internationale Begegnungen

Reisebericht über den Besuch in Deutschland des Kikotem Chors vom 9. bis 23. Sept 2006
Streifzug durch ein interkulturelles musikalisches Begegnungsprojekt
Aufzeichnungen von Gretel Lossau

Interkulturelles Lernen kann als eine Brücke der Toleranz und Solidarität zwischen unterschiedlichen Kulturen sowie anderen Sitten und Ansichten erfahren werden. Der Kikotem-Chor aus Guatemala ist mit der bewussten Absicht entstanden, ein Projekt für interkulturelles Lernen ins Leben zu rufen. Ausgangspunkt ist der individuelle Wunsch, eine fremde Welt kennen zu lernen, ohne die eigene Identität aufgeben zu müssen.

Im Kikotem-Projekt steht deshalb der Begegnungscharakter zwischen Kindern und Jugendlichen der Länder Guatemala und Deutschland im Vordergrund. Die Chorleiter, die sich für dieses Projekt begeisterten und mit ihren Fachkenntnissen in der Musik dem Chor das Format verliehen haben, sind Julio Edgar Julián und Fernando Archila. Der Verstrebung eines gut vernetzten Teams, das in Deutschland durch Rolf Zuckowski vertreten war, der uns wiederum die Gastgeberkontakte zum Alsterfrosch-Chor und ihrer Leiterin Sigi Hennig sowie den Kontakt zum Erich-Kaestner-Kinderdorf mit Gunda Fleischauer und ihrem Team und den Koordinationskontakt zu Heidi Lindner vermittelte, als auch die Arbeitsgruppe des Kikotem-Chores in Guatemala unter der Leitung von Gretel Lossau, ist es zu verdanken, dass die Begegnung der Kinder und Jugendlichen zwischen 7-14 Jahren aus Guatemala und Deutschland erfolgreich stattgefunden hat. Der gemeinsame Nenner der teilnehmenden Kinder ist die Freude und der Spass am Singen. So entstand auch der Name "Kikotem" – der in der Mayasprache kakchiquel "Freude" bedeutet und treffend das Profil des Chores beschreibt, der sich durch seine Dynamik, seine Frische und Energie auszeichnet. Die Kinder des Kikotem-Chores sind Kinder, die das Singen als Genuss empfinden und entsprechend diese Freude beim Singen austrahlen.

Am 9. September 2006 war der lang ersehnte Reiseantritt nach einem intensiven Arbeitsjahr endlich da. Keiner der Beteiligten war jemals in Deutschland gewesen. Zuerst führte uns die Reise nach Hamburg zu unseren Elbe-Gastgebern, die "Alsterfrösche" unter der Leitung von Sigrid Hennig.
Der Rahmen für einen aussergewöhnlich herzlichen Empfang sprengte alle Erwartungshaltungen, als die deutschen Kinder mit ihren Eltern einen roten 100 Meter langen Teppich mit Rosenblüten verstreut zu Ehren der Gäste ausgebreitet hatten, um die guatemaltekische Delegation zu empfangen. Im Spalier standen unsere Gastgeber mit schwarz-rot-goldenen und blau-weissen Faehnchen zur Begrüssung der 31 Kinder und 22 Erwachsenen der Kikotem-Crew. Die Erwartung, sich kennen zu lernen, war von beiden Seiten gewachsen, zumal die Kontakte über ein Jahr durch Briefe, Mails und Telefonate angeknüpft wurden. Der Augenblick war gekommen, da man sich in den Arm nehmen durfte! Dass jedoch die Begegnung einen so extrem starken, emotionalen und gefühlsbetonten Moment auslösen würde, haben sich weder die deutschen noch die guatemaltekischen Freunde vorgestellt.