Lettlandbericht - Rolfs Vogelhochzeit in Riga

Rolfs bunte Welt

Lettlandbericht - Rolfs Vogelhochzeit in Riga

"Wo die Mädchen blühen und die Jungen singen" - so heißt es in den letzten Zeilen der Lettischen Nationalhymne. Besser hätte ich in der Tat nicht zusammenfassen können, was ich innerhalb einer Woche Ende September 2011 hier erlebte.

Lettland, das Land der großen Sing- und Tanzfeste (alle fünf Jahre mit 30.000 Teilnehmern) hat mich mit singenden und tanzenden Kindern im Vogelkostüm eingefangen. Bunter, kindlicher Optimismus in einem Land der immer noch ungelösten Gegensätze zwischen den von der Geschichte mehrfach zerrissenen und - nach vielen Opfern auf allen Seiten - nun wieder zusammen lebenden Volksgruppen. Frischer Wohlstand und unübersehbare Armut liegen unmittelbar nebeneinander, westlicher Lifestyle trifft auf beeindruckende traditionelle Lebendigkeit. Der Blick in die Zukunft pendelt zwischen Hoffen und Zweifeln. Zu viele junge Leute verlassen das Land, suchen in den westlichen Metropolen ihr Glück. Werden sie wiederkommen, zurück in ihre wunderschöne, liebenswerte Heimat im nordöstlichen Zipfel Europas?

Zu Gast bei 80 "Vogelkindern" aus acht lettischen Orten habe ich staunen dürfen über die Intensität des Musikunterrichtes, den jedes Kind hier wie selbstverständlich erfährt. Kein Wunder, dass Lettland sich, bis hin zu "singenden Revolution" 1987-1992, immer wieder über Musik findet und definiert. Für die mitwirkenden Schulen bestand die Herausforderung darum wohl eher in der Einstudierung der deutschen Sprache, was hervorragend gelang, als in der Inszenierung von Gesang, Spiel und Tanz, was nicht weniger beeindruckte.

Nach einem Blick in die deutsch-lettische Geschichte des letzten Jahrhunderts nimmt ein Gast wie ich nicht ohne Demut die Gastfreundschaft und das Interesse an unserer Muttersprache an. Die Deutsche Botschaft (danke Wiebke Brahe mit ihrem Team!) hat sich mit diesem Projekt weit nach vorn gewagt und viel Sympathie gewonnen. Verstärkt durch das Goethe-Institut, gelang uns nach einer Woche gemeinsamer Proben eine rundum erfreuliche Aufführung im kleinen Saal der Nationaloper. Erleichtert und dankbar für das Erlebte und Gesehene, habe ich mir noch den "Tag der Deutschen Einheit" im traditionsreichen "Schwarzhäupterhaus" in Riga gegönnt. Nach einem Besuch im "Okkupationsmuseum" fliege ich nun tief nachdenklich und doch voller Zuversicht nach Hause. Denn ich bin mir sicher, wir sehen uns wieder, spätestens beim Sing- und Tanzfest 2013. Leb wohl, Lettland! Paldies, visu labu!

Rolf Zuckowski am 4.10.2011 im Flugzeug von Riga nach Hamburg